Summer School Genauigkeit und Konzentration als Fertigkeiten gefragt    Regelschüler nutzen bildungsunterstützende Ferienangebote, lernen dazu und haben Spaß beim Herstellen von individuellen Produkten. Floh Josef (Bild 3) richtet seinen Blick auf die Bohrmaschine. Konzentriert bedient er sie. Sorgfältig hat er die drei Löcher in sein Werkstück gebohrt. Dann ist Conni (Bild 1) an der Reihe. Auch er arbeitet sehr umsichtig. Niklas als Dritter im Bunde holt sich die Raspel. Danach braucht er noch die feine Feile. Das Holz soll möglichst glatt sein. Und was bauen die drei Floher Regelschüler? Einen Stiftebecher. "Das sieht einfacher aus als es ist", bemerkt Lehrerin Bärbel Bachner und die drei angehenden Siebtklässler geben ihr Recht. Die nötigen Arbeitsschritte stehen an der Tafel. Als Ausgangsstück bekommen die Jungs ein Bodenteil und Leisten. Und schon kann es losgehen. Abmessen, Anreißen, Sägen, Feilen, Schleifen. Nachdem das alles getätigt ist, kommen Vorstechen und Bohren an die Reihe. Danach wird geleimt und genagelt. Am Ende hat jeder der drei Jungs einen selbst gebauten Stiftehalter. Und den wird ein jeder hegen und pflegen. Schließlich stecken zwei volle Stunden Arbeit darin. Auch in den nächsten beiden Stunden ist die Aufmerksamkeit der Jungs noch einmal gefordert. Mechanischer und elektrischer Modellbau stehen an. Schulleiter Sven Nicolai übernimmt das. Aber sind derzeit nicht Sommerferien? Richtig - diese bildungsunterstützenden Ferienangebote für Regelschüler der fünften bis achten Klassen laufen an der Regelschule in Floh erstmals. Und sie sind freiwillig. Josef wollte zunächst auch nicht, entschloss sich dann aber doch dafür. Und hatte beim Herstellen des Stiftebechers viel Spaß. Zudem ist das Ganze eine gute Vorbereitung auf kommende schulische Anforderungen. Ab Klasse 7 steht WRT (Wirtschaft Recht Technik) im Stundenplan. Außerdem durfte im zu Ende gegangenen Schuljahr im Werkraum der Einrichtung nicht gearbeitet werden. Corona schob dem einen Riegel vor. Sämtliche Praktische Tätigkeiten der Kinder und Jugendlichen fielen aus. Umso erfreuter ist Schulleiter Sven Nicolai über die bildungsunterstützenden Ferienangebote. Grundlage derer ist ein Schreiben vom Kultusministerium. In den Klassen fielen alle Projekte aus -  die Angebote in den Ferien sollen bestimmte Bildungsinhalte noch einmal festigen. Der Modellbau beispielsweise konnte ebenso wenig stattfinden, wie das Fach Werken ausfallen musste. Die Regelschule in Floh versucht jetzt einige praktische Dinge in den Ferien aufzugreifen und die Schüler dafür zu begeistern. In der ersten Woche allerdings war das Interesse noch etwas verhalten. Täglich kamen nur etwa fünf Mädchen und Jungen. Das Programmangebot aber las sich recht spannend. Unter anderem gab es praktische Übungen im Umgang mit der Thüringer Schulcloud. Außerdem wurden Würfelspiele selbst gebastelt. Geocaching war angesagt. Selbst ein Escaperoom, dem man einzig über das richtige Lösen mathematischer Rätsel entkommen konnte, hielt die Schüler in Atem. "In anderen Schulen werden derartige Projekte von Schulsozialarbeitern abgesichert", erklärte Sven Nicolai. Da die Regelschule in Floh auf derartige Personen nicht zurückgreifen kann, sprangen die Lehrer ein. Nicolai übergab die Aktion dem Personalrat. Das Lehrerkollegium war sofort dabei. Pro Tag sind zwei Lehrer eingeteilt. Die bildungsunterstützenden Ferienangebote laufen über zwei Wochen. Die erste ist fast geschafft. Die zweite steht vom 17. bis 20. August im Plan. Im Zentrum der ersten Woche standen Fächer wie Deutsch, Kunsterziehung, Werken, Geografie und Mathematik. Ende August werden unter anderem Natur, Technik, Sport, Biologie bedient. Das Programm liest sich spannend. Segelflugzeuge sollen gebaut werden. Volleyball ist dabei. Und auch der Ersten Hilfe gebührt Aufmerksamkeit. In der zweiten Woche haben sich pro Tag um die zehn Schüler angemeldet. Ein großes Lob richtete der Schulleiter an sein Kollegium. "Dass die einzelnen Projekte von den Kollegen übernommen werden, rechne ich Ihnen hoch an", betonte er. Natürlich hoffen alle, dass mit Beginn des neuen Schuljahres wieder mehr Normalität an der Einrichtung Einzug hält. Bild 1: Conni betätigt die Bohrmaschine konzentriert.  Bild 2: Niklas bearbeitet sein Holzstück hier mit der Raspel. Bild 3: Josef überprüft das Werkstück. Text und Fotos: Annett Recknagel Quelle: https://www.insuedthueringen.de/epaper/html5/epa96185,82624,0,10,Genauigkeit%20und%20Konzentration%20al s%20Fertigkeiten%20gefragt vom 24.07.2020